Wirtschaftlichkeit des Windparks

Das falsche Geheule der Ökolobby
Capital – 16. Jun 2016, Horst von Buttlar
Warum ist es so schwer, die Subventionen für Erneuerbare Energien zu drosseln? Weil eine mächtige Lobby vorgibt, die Welt zu retten.

Dabei geht es nur ums Geld. Von Horst von Buttlar

Es war ja nie in Mode, sich über die Energiewende aufzuregen, außer man ist Experte. Weil es schick ist, das „Jahrhundertprojekt“ grundsätzlich klasse zu inden. Wenn ich mich oute, dass ich die Art, wie wir wenden, ziemlich kopflos finde, schauen mich Menschen an, als sei ich direkt einem schnellen Brüter entsprungen.
Dabei bin ich gar nicht für Atomkraft, ich habe nur keine hysterische Beziehung zu ihr, bin also keine kerngespaltene Persönlichkeit. Ich finde zudem: Mit dem, was wir „Energiewende“ nennen, haben wir ein Monster erschaffen, das wir seit Jahren noch weniger im Griff haben als Goethes Zauberlehrling seinen Besen.
Die Regierung versucht in diesen Wochen wieder einmal, das Erneuerbare- Energien- Gesetz (EEG) zu reformieren. Reform heißt ja seit Jahren: die Kosten irgendwie zu bändigen. Sobald die Regierung das versucht, heult die Windlobby lauter als das Sturmtief „Günther“.
Diese Lobby – und mit ihr die Solar- und Dämmlobby – ist deswegen so perfide, weil sie ständig vorgeben kann, dass sie doch nur die Welt retten will. Dabei will sie wie jede gute schlechte Lobby einfach nur ihre Interessen durchsetzen und die Milliarden verteidigen, die das System inzwischen verteilt.
Wir zahlen für Strom, den keiner nutzt  Und so verpufften bisherige „Reformen“. Seit dem letzten Anlauf gingen mehr Windräder ans Netz als je zuvor, jedes bekam die feste Vergütung, garantiert auf 20 Jahre. Rechnen Sie mal wie ein schlauer Ostfriesenbauer: Ein Windrad x 50 000 Euro Jahrespacht x 20 Jahre = 1 Mio. Euro = eine neue Art des Lottogewinns. Oder eine neue Art der Umverteilung von unten nach oben, von den Stromkunden zu den Landbesitzern und Großbauern.
Diese Preise haben sich gebildet, weil zu viel Geld im System ist. Weil der Strom billig produziert wird (wofür sich die Grünen auf jedem Stehempfang feiern), die Vergütung aber so fest steht wie ein chinesischer Fünfjahresplan. Im Grunde gibt es viel zu viel billigen Ökostrom, den man im Netz gar nicht mehr verteilen kann. Also zahlen wir inzwischen auch für Strom, den wir nicht verbrauchen. Und so explodieren die Kosten der EEG-Umlage: Beliefen sie sich im Jahr 2000 noch auf 883 Mio. Euro, schreiten wir auf 30 Mrd. zu.
Wenn man über diese Zahlen redet, geraten Grüne und Ökostromenthusiasten auf jedem Stehempfang spätestens jetzt in Rage, und stellen die Frage aller Fragen: „Wollen Sie etwa die Energiewende in Frage stellen?“ Und dann werden eifrig die Arbeitsplätze vorgerechnet, die geschaffen wurden. Naja, für 30 Mrd. Euro pro Jahr könnte man auch eine Speiseeisindustrie in der Wüste Gobi hochziehen.
Die vielen Widersprüche der Energiewende werden stets mit einem Mega-Argument übertüncht: Dass man am Ende ja etwas Gutes tut. Deshalb auch dieses ganze Orwell’sche Vokabular, der „Bürgerstrom“ oder die „Bürgerwindparks“. Das klingt idyllisch und gerecht, und deshalb sind Ökolobbyisten auch so wütend, wenn jemand ihre grüne Bonanza stört.
Immerhin: Ein wenig Marktwirtschaft soll es nun geben, Projekte sollen ausgeschrieben werden. Wer weniger Subventionen verlangt, bekommt den Zuschlag. Ein kleiner Anfang. Der Ausbau aber geht weiter, 2800 Megawatt oder 1000 Windräder pro Jahr sollen errichtet werden. Wird das Land das aushalten? Nur gegen Widerstände. Und die nehmen zu.
Seit einiger Zeit scheint mir etwas zu kippen in Deutschland: Die Phase, in der „Bürgerwindparks“ ausschließlich bejubelt und nur Ewiggestrige und Spielverderber sich über Herzrasen bei Großvater und tote Seeadler aufregten, neigt sich dem Ende zu. Der Widerstand wächst in vielen Orten. Und wer an wolkenlosen Tagen über Niedersachsen fliegt oder die A9 von Berlin Richtung Leipzig fährt, weiß, warum: Er sieht Bilder, als würde Roland Emmerich eine Ökoversion von „Independence Day“ drehen. Extraterrestrische Armeen von weißen Riesenstangen, die über Kilometer alles beherrschen.
„Eine brutalere Zerstörung der Landschaft“, hat der Dichter Botho Strauß gesagt, „als sie mit Windkrafträdern zu spicken und zu verriegeln, hat zuvor keine Phase der Industrialisierung verursacht. Es ist die Auslöschung aller Dichterblicke der deutschen Literatur von Hölderlin bis Bobrowski“.
Der Autor Wolfgang Büscher, schrieb in einem entsetzten Text, über die „rot blinkenden Wälder aus Stahl“, die er in der Nacht im Norden sah, ein „gewaltiges, bestürzendes Bild“. „Die Windbranche“, schrieb er, „möchte das ganze Land ihrer moralisch galvanisierten Industrie unterwerfen. Ob Magdeburger oder Warburger Börde, ob Holstein oder das Vorharzland – alles rotiert und blinkt, je nördlicher, desto heftiger.“
Weniger Geld, mehr Markt

Aber soll das Land der Dichter auf seine Dichter hören? Schließlich geht es hier um die Rettung der Welt! Zumindest werden die Stimmen, die den Flurschaden beklagen, immer unverdächtiger, sie kommen aus allen Richtungen. Möglicherweise war mancher Grüne, der in einem Berlin-Mitte-Blase lebt und mit einem Glas Pommery auf die Energiewende anstößt, lange nicht mehr im Land da draußen – sonst müsste er entsetzt sei, was seine Revolution angerichtet hat.
Was aber tun? Irgendwo muss der Strom ja her kommen. Ganz klar: noch mehr auf Marktkräfte vertrauen. Das Geld aus dem hoch gezüchteten System nehmen, der Energiewende mehr Zeit geben. Bis Stromtrassen gebaut sind, die den grünen Strom auch verteilen. Bis die besten Technologien und Unternehmen sich durchgesetzt haben. Bis Energie wieder ohne Ideologie produziert wird.

Das jetzt vorliegende Gutachten zur Wirtschaftlichkeitsanalyse Windpark Oberlahn…

hat ein paar gravierende Fehler oder auch Mängel!

  1. In dieser Wirtschaftlichskeitsanalyse ist keine Rede bzw. kein Euro berücksichtigt, wo der produzierte Strom ins Netz eingespeist werden soll! Bei der B49 südlich von Merenberg geht es wohl nicht, da dies ein Mittelspannungsnetz ist. Folglich müsste, um dort einzuspeisen, ein Umspannwerk gebaut und finanziert werden. Oder der Strom wird per Kabel durch die Lahn, quer durch Weilburg, bis nach Hirschhausen an das dortige Netz angeschlossen!? Fragen über Fragen! Aber hierzu kein einziger Cent in der neuesten Wirtschaftlichkeitsberechnung.
  2. Laut vorgegebenen Parametern soll der Windpark ca. 62.000 MWh Strom produzieren! 62000MWh geteilt durch 27MW (9 Windräder a 3MW) ergibt über 2300 Volllaststunden im Jahr! Das wäre Mitteldeutschlands erster Windpark in einem Schwachwindgebiet unter 7,o m/s der solche enorme Erträge erreichen würde. Anscheinend weht über unserem Wald ein besonderer Wind! Zum Vergleich: Hessische Windräder schaffen im Schnitt zwischen 1400 und 1500 Volllaststunden.
  3. In dieser Berechnung wird mit P-50 Werten gerechnet. P-50-Werte sagen aus, dass die Wahrscheinlichkeit, den P-50-Windertrag zu übertreffen, bei 50% liegt. Die Wahrscheinlichkeit, den P-50-Wert zu unterschreiten, liegt ebenfalls bei 50%. Kaufmännisch sicher hätte dieser Wert oder Faktor P-95 heißen müssen. Dadurch wäre dann eine Volllaststundenzahl von ca. 1800 Stunden heraus gekommen.

Allein die Tatsache, dass die Abnahme des Stromes nicht geklärt ist, macht es einem Gemeindevertreter oder Stadtverordneten unmöglich über dieses Zahlenwerk eine Entscheidung zu treffen!

Jeder Mensch der etwas produziert muss wissen wohin anschließend mit dem Produkt und was kostet mich der Transportweg.

Keine Bank wird eine Finanzierung zusagen ohne diese drei Punkte vorher geklärt zu haben.

6. Februar 2013: Neue Zahlen zum EEG

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat heute die Neuauflage der Publikation „Das EEG in Zahlen“ veröffentlicht.

 

Interessantes > Die Broschüre ist mittlerweise das Standardwerk zur vertieften Analyse des Förderinstrumentariums für die Erneuerbaren Energien.

 Die Zahlen des BDEW


Der BDEW versteht sich als branchenübergreifende Vertretung aller Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft.Anders als beispielsweise der Bundesverband Windenergie oder die Bundesvereinigung Erneuerbare Energien, ist der BDEW nicht einer bestimmten Sparte verpflichtet, sondern um eine ausgewogene Position im Sinne des energiepolitischen Zieldreiecks (Wirtschaftlichkeit-Umweltverträglichkeit-Versorgungssicherheit) bemüht.

Die Zahlen des BDEW sind hinsichtlich des EEG die Datenquelle schlechthin und genießen auch in Regierungskreisen höchstes Vertrauen. Bessere gibt es schlechtweg nicht.

Dies vorweg geschickt, enthalten diese neuesten Zahlen betreffend das Jahr 2012 einige sehr interessante Informationen. Sie können die gesamte Publikation hier herunterladen.

Die hinsichtlich unseres Anliegens relevantesten Information haben wir für Sie herausgehoben:

Besonders bemerkenswert ist u.E., dass der Anteil regenerativer Energien gegenüber dem Vorjahr zwar leicht gestiegen ist, der Anteil der Windkraft an der Bruttostromerzeugung jedoch rückläufig war.

Er betrug im Jahr 2012 nur noch 7,3%.

2011 hatte er 8% betragen.

EE-Anteile

Dieser rückläufige (!) Beitrag zum Stromverbrauch ging mit einem leichten Zubau an Erzeugungskapazitäten einher.

Möglich ist dies u.a. deshalb, weil die Subventionsströme des EEG – dank Einspeise- und Vergütungsgarantie – die Betreiber von Windparks vollständig von der Notwendigkeit einer sinnvollen Planung entbinden. Die Hintergründe sind hier beschrieben.

Interessante Einblicke liefert das Zahlenwerk auch hinsichtlich der durchschnittlichen Ausnutzungsdauer der 21.272 deutschen Windkraftanlagen (Stand Nov. 2012).

Bisher war nur die durchschnittliche Auslastung aller deutschen Anlagen bekannt.

Diese entspricht 1.550 Volllaststunden.

Die neuen Zahlen erlauben nun eine regional differenzierte Sicht.

Regionale Verteilung der Jahresvollaststunden von Windenergieanlagen


Klicken Sie auf die Grafik, um sie zu vergrößern.

In Hessen und Rheinland-Pfalz, also Bundesländern, in denen nun in ganz großem Stil Wälder gerodet werden, um neue Windkraftanlagen zu errichten, kamen die bisher installierten Anlagen im Jahr 2012 auf 1.422 bzw. 1.403 Volllastunden.

In Brandenburg, dem Leitstern in Sachen Windkraft, waren die Anlagen mit 1.597 Volllaststunden nur unwesentlich produktiver.

In Baden-Württemberg wurden 2012 lediglich 1.252 Volllastunden erreicht.

In Schleswig-Holstein kamen die installierten Anlagen immerhin auf 2.025 Volllaststunden.

Das Jahr hat in allen 16 Bundesländern 8.760 Stunden.

Dies bedeutet:

Eine Windkraftanlage in Schleswig-Holstein produzierte rund 23 % ihres Nennwerts.

Eine Windkraftanlage in Hessen produzierte rund 16% ihres Nennwerts.

Eine Windkraftanlage in Baden-Würtemberg produzierte rund 14 % ihrer Nennwerts.

Grundlastfähig und eine ernstzunehmende Option für die Versorgungssicherheit sind Windkraftanlagen nirgends.

Fazit


Daraus mag Einjeder seine naheliegenden und rationalen Schlüsse ziehen…

…er oder sie wird damit sicherlich falsch liegen.

Denn:

Den Windparkbetreibern kann diese miserable Ausbeute relativ egal sein. Die Einnahmen fließen in jedem Fall. Und – dank Art. 29 (2)EEG – sprudeln die Subventionen an schlechten Standorten sogar besonders kräftig.

Vor diesem Hintergrund sind die naturzerstörerischen Vorhaben einiger Landes- und Kommunalplaner für uns besonders schwer zu ertragen.

Zu Erinnerung:

Der Reinhardswald soll mit 70 Windkraftanlagen regelrecht massakriert werden.

Im Werra-Meissner-Kreis sollen sogar FFH-Gebiete herhalten.

Jede der geplanten 800 Anlagen wird mit einem mehrere tausend Tonnen schweren Fundament aus Stahlbeton im (Wald-)boden verankert. Und das rund 30 m tief.

Leider sind die Planungen in Mittel- und Südhessen sowie anderen Bundesländern u.E. kaum sinnvoller.

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